Die Shaghoura, das Symbol, das Syrien vereint

Anekdoten über die Jungfrau Maria

Die Shaghoura, das Symbol, das Syrien vereint

Saidnaya (Syrien) (6. Jahrhundert)

La Shaghoura, el icono que une a Siria
Monasterio de Nuestra Señora de Saidnaya (Siria). Foto: Bernard Gagnon, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

In den Bergen nördlich von Damaskus, auf einer Höhe von etwa 1500 Metern, liegt das griechisch-orthodoxe Kloster Unserer Lieben Frau von Saidnaya, dessen Ursprünge bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Der Name des Ortes bedeutet laut verschiedenen Quellen „Unsere Liebe Frau“ auf Aramäisch, als ob die Lage selbst die dort verehrte Gottheit verkünden würde. Die Gründung des Klosters wird Kaiser Justinian I. zugeschrieben, und mehrere Chroniken nennen das Jahr 547 als Gründungsjahr.

Eine fromme Überlieferung erzählt eine wunderschöne Geschichte. Justinian soll in der Nähe von Damaskus auf der Jagd gewesen sein, als er einer Gazelle folgte, die an einer Quelle in den Bergen Rast machte. Als er sich näherte, verwandelte sich das Tier in die Jungfrau Maria, die ihn bat, dort ein Heiligtum zu errichten. Andere Versionen fügen hinzu, dass der Kaiser, verirrt und durstig, von der Gazelle zum Wasser geführt wurde und Maria ihm später im Traum zeigte, wie der Tempel aussehen sollte. Man muss ehrlich sagen: Die Existenz des Klosters seit Justinians Zeiten ist belegt, doch die Details der Jagd, der Gazelle und der Visionen gehören der Überlieferung an und finden sich nicht in gesicherten historischen Quellen.

Im Heiligtum wird eine alte Ikone der Jungfrau Maria, bekannt als Shaghoura („die Erhabene“), verehrt. Sie befindet sich in einer Nische mit silbernen Türen in einer eigenen Kapelle. Der Überlieferung nach zählt sie zu den Ikonen, die dem Evangelisten Lukas zugeschrieben werden, obwohl zuverlässigere Quellen ihren Ursprung um das 11. Jahrhundert datieren. Sie soll aus Konstantinopel stammen und wird seit den Kreuzzügen hoch verehrt. Die Zuschreibung an den Heiligen Lukas ist daher als ehrenvolle Auszeichnung und nicht als gesicherte Datierung zu verstehen.

Ante la Shaghoura se arrodillan madres cristianas y musulmanas, unidas en silencio ante la misma Madre que vela por todos sus hijos.

Unbestritten und zutiefst bewegend ist, dass der Schrein seit Jahrhunderten ein Wallfahrtsort für Christen und Muslime gleichermaßen ist. Quellen bestätigen, dass Frauen beider Glaubensrichtungen vor dem Bild der stillenden Jungfrau Maria für die Gesundheit und den Milchfluss ihrer Kinder beteten. Muslime verehren Maria, die sie Maryam nennen, als Mutter des Propheten Isa, und aus diesem Grund ist diese Ikone zu einem einzigartigen Treffpunkt geworden. Von den vielen Wundern und Heilungen, die der Shaghoura zugeschrieben werden, berichten die Quellen allgemein; eine detaillierte Auflistung der Fälle mit Namen und Daten fehlt.

Selbst inmitten des jüngsten Leids in Syrien bleibt Saidnaya ein Zeichen der Hoffnung: der Beweis, dass die Mutter Jesu vor derselben Ikone all jene um sich versammeln kann, die die Welt am liebsten gegeneinander aufhetzen würde.

Fuentes: Diario Sirio-Libanés, «Sednaya, ciudad espiritual»; Wikipedia, «Monasterio de Nuestra Señora de Sednaya»; Global Voices, crónica sobre Sednaya; Torreciudad, ficha sobre Nuestra Señora de Saidnaya; parroquia de Sant Martí d’Empúries, relato devocional.

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