Anekdoten über die Jungfrau Maria
Der Stein, der zurückkehrte: die Negrita von Karthago

Im Viertel Puebla de los Pardos in Cartago lebten einfache Schwarze, die ihren Lebensunterhalt mit Handarbeit verdienten. Eine fromme Überlieferung erzählt von einer jungen Mulattin, die eines Tages Holz sammelte und dabei auf einem Felsen nahe einer kleinen Quelle ein winziges, dunkles Bildnis der Jungfrau mit dem Kind fand, kaum zwanzig Zentimeter groß, wie eine kleine Puppe, die ein Baby hielt. Liebevoll nahm sie es mit nach Hause und bewahrte es in ein Tuch gewickelt auf.
Doch am nächsten Tag, als sie zum Berg zurückkehrte, fand sie dasselbe Bildnis wieder auf dem Felsen. Und als sie zu Hause die Schublade öffnete, war diese leer. Dies geschah mehrmals, bis das Mädchen verwirrt zum Pfarrer ging. Selbst der Aufenthalt in der Pfarrkirche konnte das Wunder nicht aufhalten: Das Bildnis kehrte auf den Felsen zurück. Die Stadt verstand nun, dass die Jungfrau Maria ihren Tempel genau dort haben wollte.
Es ist wichtig, sorgfältig zwischen Tradition und Geschichte zu unterscheiden. Die Geschichte des Mädchens, das Kommen und Gehen des Bildes und die Details des Dialogs mit dem Priester gehören zur frommen Tradition, die mündlich überliefert und im 19. Jahrhundert schriftlich festgehalten wurde. Der Name „Juana Pereira“ erscheint nicht im ältesten bekannten Text, dem von Pater Miguel Bonilla (1824), der lediglich von einer „einfachen Mulattin“ spricht; auch die genaue Anzahl der Wiederkehrungen des Bildes ist in alten Dokumenten nicht verzeichnet.
Dokumentiert ist die langjährige Verehrung Unserer Lieben Frau von den Engeln in Cartago seit der Kolonialzeit, das Heiligtum am Fundort – die heutige Basilika Unserer Lieben Frau von den Engeln –, ihre Ernennung zur Schutzpatronin Costa Ricas im Jahr 1824 und die große nationale Wallfahrt am 2. August, die seit dem späten 19. Jahrhundert belegt ist. Das genaue Jahr der Entdeckung ist ungewiss: Die Tradition nennt 1635, doch verlässliche Quellen bestätigen, dass dieses Jahr nicht belegt ist. Sicher ist lediglich der Zusammenhang mit dem 2. August, dem Festtag Unserer Lieben Frau von den Engeln.
Auch heute noch pilgern jedes Jahr am 2. August Tausende Costa Ricaner zur Basilika, viele auf dem letzten Stück kniend, und schöpfen Wasser aus der Quelle als Zeichen des Segens. Die kleine „Negrita“ zieht weiterhin eine ganze Gemeinde zu ihrem Felsen.
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