Der Tyrann, bekehrt durch die Liebe

Anekdoten über die Jungfrau Maria

Der Tyrann, bekehrt durch die Liebe

La Tirana, Tarapacá (Chile) (koloniale Legende; Fest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel am 16. Juli)

La Tirana, convertida por amor
Virgen del Carmen de La Tirana (Chile). Foto: CARLOS TEIXIDOR CADENAS, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Mitten in der nordchilenischen Wüste, in La Tirana, einem Ort in der Gemeinde Pozo Almonte, wird jedes Jahr eines der größten Marienfeste des Landes zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel gefeiert. Der Name des Ortes birgt eine wunderschöne und tragische Legende, die durch die Volksfrömmigkeit über Generationen weitergegeben wurde.

Der Überlieferung nach lebte nach der Eroberung eine indigene Prinzessin oder Adlige – mal Inka, mal Colla genannt – in der Gegend als Zuflucht. Sie regierte eine kleine Gruppe mit solcher Härte, dass sie den Beinamen „Die Tyrannin“ erhielt. Eines Tages wurde ihr ein Gefangener, ein Spanier oder Mestize, gebracht, und zwischen ihnen entflammte eine Liebe, die die junge Frau zum Christentum bekehrte. Die Prinzessin konvertierte, und einigen Berichten zufolge wurden beide von ihren eigenen Leuten gemartert oder starben unter tragischen Umständen. Der Ort ihres Todes wurde zu einem christlichen Wallfahrtsort und im Laufe der Zeit zu einem Marienheiligtum.

El amor abrió su corazón a la fe: la que llamaban «Tirana» murió cristiana, y el desierto se hizo lugar de oración.

Der Herausgeber muss dies ganz klarstellen. Es gibt in den bekannten Kolonialquellen keinerlei historische Belege für die Existenz dieser Prinzessin oder die Einzelheiten ihrer Liebesgeschichte und ihres Martyriums. Es handelt sich um eine Legende, die den Ortsnamen „La Tirana“ und den religiösen Ursprung des Ortes erklärt, wie er in späteren Erzählungen und regionalen Katechismusmaterialien zu finden ist. Der direkte Zusammenhang zwischen dieser Figur und dem genauen Ursprung des Heiligtums beruht auf Volksfrömmigkeit, nicht auf einer zeitgenössischen Chronik der Ereignisse.

Dokumentiert ist die Existenz des von der Kirche anerkannten Heiligtums Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel in La Tirana sowie das alljährliche, riesige Fest um den 16. Juli mit Tausenden von Pilgern und religiösen Tänzen – Morenos, Tinkus, Diabladas –, die jedes Jahr anreisen, um „für die Jungfrau Maria zu tanzen“. Ihr, liebevoll „Chinita“ von La Tirana genannt, vertrauen die Gläubigen durch Votivgaben, Gelübde und Tänze ihre Gesundheit, ihre Arbeit, ihre Kinder und ihren Schutz in der Wüste an. Viele der genaueren Details – wie das Gründungsdatum der ursprünglichen Kapelle oder bischöfliche Dekrete – sind in den verfügbaren Quellen nicht eindeutig belegt, und das sollte man auch so erwähnen.

Was den Rosenkranz betrifft: Die Jungfrau von La Tirana ist die Jungfrau vom Berge Karmel, die allgemein eher mit dem Skapulier als mit dem Rosenkranz in Verbindung gebracht wird; obwohl dieses Gebet zweifellos in ihrer pastoralen Arbeit präsent ist, gibt es kein Gründungsereignis, das sie auf einzigartige und dokumentierte Weise mit dem Rosenkranz verbindet, abgesehen von der gewöhnlichen Marienverehrung des katholischen Volkes.

Fuentes: tradición eclesial chilena y resúmenes enciclopédicos y pastorales sobre el Santuario de Nuestra Señora del Carmen de La Tirana (diócesis de Tarapacá, fiesta del Carmen); la leyenda de la «princesa inca convertida por amor» procede de relatos tradicionales y material catequético regional, y se mantiene expresamente como tradición piadosa no documentada.

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