Die Mutter, die von Katholiken und Hindus verehrt wird

Anekdoten über die Jungfrau Maria

Die Mutter, die von Katholiken und Hindus verehrt wird

Siparia (Trinidad und Tobago)

In Siparia im Süden von Trinidad befindet sich ein katholischer Schrein, der der Göttin Maria als Hirtin geweiht ist, die über ihre Schafe wacht. Doch dieser Ort hat etwas Einzigartiges und Bewegendes: Er ist einer der wenigen Schreine in der Karibik, der dauerhaft von beiden Seiten genutzt wird. Für Katholiken ist das Bildnis im Heiligtum die Jungfrau Maria; für viele einheimische Hindus ist sie eine schützende Mutter, die sie „Siparee Mai“ oder „Suparee Ke Mai“, also „Mutter von Siparia“, nennen.

Jedes Jahr, besonders um Karfreitag und in der Osterzeit, strömen zahlreiche Gläubige verschiedener Religionen zum Schrein. Katholiken nehmen an der Messe und der Prozession teil und beten vor dem Bildnis wie vor der Jungfrau Maria. Hindus bringen derweil Blumen, Öl, Kerzen, Geld und Gelübde dar, folgen hinduistischen Ritualen und richten diese an die „Mai“. Die Lokalpresse berichtet Jahr für Jahr über dieses Bildnis: Hinduistische Familien beten Seite an Seite mit katholischen Familien vor demselben Bildnis, jede in ihrer eigenen religiösen Sprache, im selben heiligen Raum.

Una sola imagen, dos pueblos que la llaman Madre: la Virgen de Siparia escucha el clamor de todos los que la buscan, sin preguntarles primero por su credo.

Wir müssen die Fakten unvoreingenommen betrachten. Der interreligiöse Charakter dieser Verehrung ist von Anthropologen und durch Feldstudien zur Religion in Trinidad umfassend dokumentiert und gilt seit mindestens dem 20. Jahrhundert als ein stabiles und bekanntes Phänomen. Auch die zahlreichen Votivgaben und Dankestafeln, typisch für jeden Marienwallfahrtsort, sind belegt, ebenso wie die einladende pastorale Haltung der örtlichen Kirche, die die marianische Bedeutung des Bildes für Katholiken hervorhebt und gleichzeitig die Gläubigen anderer Religionen respektiert.

Das genaue Datum der Ankunft des Bildes in Siparia ist ungewiss, ebenso wie seine genaue Herkunft (Kapuziner, Dominikaner, Sevillaner oder Kanarier: Die Hypothesen sind vielfältig, und sie zu vermischen, hieße, etwas zu erfinden). Auch gibt es keine einheitliche offizielle Darstellung seiner Entstehung. Erzählungen über wundersame Entdeckungen des Bildes auf dem Berg oder über Gründungswunder sind lokale Überlieferungen, deren historische Glaubwürdigkeit nicht belegt ist. Der Rosenkranz ist an den Festtagen Mariens Teil der katholischen Marienverehrung, doch gibt es keine Hinweise auf eine spezifische, grundlegende Verbindung des Rosenkranzes zu dieser besonderen Andacht.

Fuentes: Estudios antropológicos y de sociología de la religión sobre Trinidad y Tobago y la devoción interreligiosa a la Divina Pastora / Siparee Mai; crónicas de prensa local sobre la peregrinación anual de católicos e hindúes a Siparia.

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