Anekdoten über die Jungfrau Maria
„Die Jungfrau von Copacabana: die Statue der Inderin, die sich nicht ergab“

Am Ufer des Titicacasees, auf über 3.800 Metern Höhe, an einem Ort von großer religiöser Bedeutung seit vorspanischer Zeit, liegt das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Copacabana, auch bekannt als Jungfrau von Candelaria von Copacabana. Es ist eines der ältesten Heiligtümer Amerikas und die Schutzpatronin Boliviens.
Der Kult lässt sich bis etwa 1583 zurückverfolgen. Die Statue wurde von Francisco Tito Yupanqui, einem Indigenen mit Inka-Vorfahren, der getauft und christlich erzogen wurde, aus Agavenholz geschnitzt und polychromiert. Historisch belegt ist, dass er kein erfahrener Bildhauer war und das Werk im Laufe der Zeit verbessern musste; einige Quellen deuten darauf hin, dass er nach Potosí reiste, um seine Schnitzkünste vor der Fertigstellung zu perfektionieren.
Diese Schmähungen und die Erscheinung der Jungfrau Maria in einem Traum, die ihn angeblich ermutigte, sind Teil des Andachtsgedächtnisses und katechetischer Texte, finden sich aber nicht immer in den Primärquellen jener Zeit; es ist ratsam, sie als Überlieferung und nicht als bewiesene Tatsache darzustellen. Unbestritten ist hingegen die einheimische Urheberschaft des Bildes und der Prozess seiner Verfeinerung.
Die Entwicklung des Heiligtums ist gut dokumentiert: Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1805, und am 1. August 1925 wurde die Jungfrau Maria durch eine päpstliche Bulle von Pius XI. feierlich zur „Königin der bolivianischen Nation“ gekrönt. Ihre Gedenktage sind der 2. Februar, Mariä Lichtmess und der 5. August. Der Brauch, das Heiligtum rückwärts zu verlassen, um der Jungfrau Maria nicht den Rücken zuzukehren, wird sehr geschätzt.
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