Das Bild, das allein zum Sumpfbaum zurückkehrte

Anekdoten über die Jungfrau Maria

Das Bild, das allein zum Sumpfbaum zurückkehrte

Almonte, Huelva (Spanien) (15. Jahrhundert)

La imagen que regresó sola al árbol de la marisma
Virgen del Rocío (Almonte). Foto: CarlosVdeHabsburgo, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Mitten im Sumpfgebiet von Huelva, in einem Waldstück namens La Rocina, soll sich der Legende nach Anfang des 15. Jahrhunderts eine Entdeckung ereignet haben. Ein Jäger – der verbreitetsten Version zufolge ein Einwohner von Almonte – durchquerte das Unterholz, als seine Hunde in einem dichten Gestrüpp zu bellen begannen und sich nicht hineintrauten. Der Mann bahnte sich seinen Weg durch die Dornen und fand an einem Baumstamm ein wunderschönes Bildnis der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, das trotz jahrelanger Witterungseinflüsse erstaunlicherweise unversehrt geblieben war.

Er brachte es nach Almonte, um dies bekannt zu machen. Doch der Weg war lang, und der Jäger machte Rast und schlief ein. Als er erwachte, war das Bild verschwunden. Er kehrte nach La Rocina zurück und fand es dort wieder, an derselben Stelle im Wald, wo er es zuerst entdeckt hatte. Er erzählte es dem Priester und den Nachbarn; alle kamen, vergewisserten sich, dass die Jungfrau noch immer dort war, unversehrt, und verstanden das Zeichen: Die Mutter wollte genau in diesem Sumpf ihr Zuhause haben. Sie errichteten an der Fundstelle eine Einsiedelei und benutzten – der Überlieferung nach – den Baumstamm selbst als Sockel.

Volvió al árbol y la encontró de nuevo allí: la Virgen quería quedarse en la marisma.

Wir müssen zwischen Zuneigung und Strenge unterscheiden. Die gesamte Geschichte vom Jäger, den Hunden, dem Baum, dem Traum und der Rückkehr des Bildes ist eine fromme, weit verbreitete und geschätzte Tradition, die jedoch in zeitgenössischen Quellen nicht als Faktum belegt ist. Was hingegen belegt ist, ist gesichert: Alfons X. der Weise ordnete zwischen 1270 und 1284 den Bau einer der Heiligen Maria von den Rocinas geweihten Einsiedelei an; das Jagdbuch Alfons’ XI. erwähnt bereits den Berg „von den Rocinas“; 1653 wurde die Jungfrau zur Schutzpatronin von Almonte erklärt; und am 8. Juni 1919 wurde sie durch eine Bulle Benedikts XV. kanonisch gekrönt.

Schon der klangvolle Name „del Rocío“ hat seine eigene Legende: Eine große Dürre im Jahr 1653, ein Einheimischer betete um Regen, und Wasser fiel wie Tau vom Himmel auf das Bildnis. Die Schutzpatronatschaft jenes Jahres ist belegt; der „Regentau“ als Ursprung des Namens ist eine Andachtstradition. Was die Verbindung zum Rosenkranz betrifft, ist Vorsicht geboten: Es gibt keine Aufzeichnungen über eine spezifische, grundlegende Verbindung zwischen El Rocío und dem Heiligen Rosenkranz, obwohl das Ave Maria, wie in jeder Marienverehrung, im Leben der Rocío-Bruderschaften, die jedes Pfingsten zur Weißen Taube pilgern, eine wichtige Rolle spielt.

Fuentes: Hermandad Matriz de Nuestra Señora del Rocío de Almonte (sección «Historia»); Ayuntamiento de Almonte («Historia»); entrada «Virgen del Rocío» en Wikipedia; artículo devocional-histórico (MiMedalla); ficha de la advocación en la galería mariana de Torreciudad; reseñas sobre la proclamación de 1653.

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