Anekdoten über die Jungfrau Maria
Der Stern der Highlands am Eingang der Mine

In der Stadt Oruro auf dem bolivianischen Altiplano liegt am Fuße des Hügels Pie de Gallo, direkt am Eingang eines Bergwerksschachts, ein Heiligtum. Dort wird die Jungfrau vom Bergwerksschacht, auch bekannt als „Stern des Altiplano“, die Schutzpatronin der Bergleute, verehrt. Vor der Marienverehrung befand sich an dieser Stelle eine dem Erzengel Michael geweihte Einsiedelei, die mit dem Bergbau in der Kolonialzeit in Verbindung stand und bereits zur Zeit der Gründung der Villa de Oruro am 1. November 1606 existierte. Laut Studien und Historikern etablierte sich der Name „Unsere Liebe Frau vom Bergwerksschacht“ um 1740.
Die Oruro-Tradition erzählt eine herzerwärmende Geschichte: die des Banditen „Chiruchiru“ (oder „Nina Nina“), der Reisende ausraubte, aber einen Teil seiner Beute mit den Armen teilte. Eines Nachts wurde er in einem Minenschacht tödlich verwundet; im Morgengrauen fand man ihn tot auf, und an der Felswand war wie durch ein Wunder ein Gemälde der Jungfrau Maria erschienen, das ihn in seinen Qualen begleitet hatte. Aus dieser Entdeckung entstand der Marienkult der Bergleute, in dem Maria dem finsteren Bild des „Onkels der Mine“ gegenübergestellt wird.
Man muss es mit Zuneigung und Wahrhaftigkeit sagen: Die Geschichte von Chiruchiru ist eine weit verbreitete mündliche Überlieferung und fromme Legende, die jedoch in Dokumenten des 18. Jahrhunderts nicht belegt ist; die Geschichtsschreibung führt sie als Gründungsmythos des Heiligtums an. Studien selbst räumen ein, dass „es unmöglich ist, den Beginn des Kultes der Jungfrau von Socavón genau zu datieren, da es keine Dokumente dazu gibt.“ Dokumentiert ist hingegen die Einsiedelei San Miguel aus dem 17. Jahrhundert, ihre Umwandlung in ein Marienheiligtum um 1740 und dass sie 1781, inmitten der Revolution, als Schutzpatronin der Unabhängigkeitskämpfer angerufen und zur Schutzpatronin der Stadt gewählt wurde.
Die Verehrung wurde feierlich anerkannt: Mit Gesetz vom 12. Februar 1994 wurde die Jungfrau von Socavón zur Schutzpatronin der bolivianischen Nationalfolklore erklärt, und am 18. Mai 2001 erklärte die UNESCO den mit ihr verbundenen Karneval von Oruro zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit. Dieser Karneval ist in Wirklichkeit ein Tanzopfer: Tausende Tänzer ziehen ein und werfen sich vor dem Bildnis nieder, viele als Verehrer, die jahrelang getanzt haben, um im Gegenzug Gunst zu erlangen. Das Heiligtum beherbergt zahlreiche Votivgaben von Bergleuten, die vor Einstürzen und Explosionen gerettet wurden. Der Rosenkranz ist Bestandteil der Novenen und Vigilien vor dem Karneval, und auf vielen religiösen Darstellungen ist die Jungfrau mit ihm zu sehen; es gibt jedoch keinen kanonischen Titel oder eine Rosenkranzbruderschaft, die sie formell mit dieser Verehrung verbindet.
🌹 Eine Blume für die Jungfrau
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